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Ideenreiche Corporate Governance: Ein 6-Punkte Programm

Keine Frage - die Politik muss den volkswirtschaftlichen Instrumentenkasten auspacken. Wir brauchen ihn, um der Wirtschaftskrise Herr zu werden. Aber die betriebswirtschaftliche Seite muss sich auch neu aufstellen. Beide greifen bislang auf alt Bekanntes zurück. Die Politik der Geldverbilligung und Staatsinvestitionen hinterlassen Wohl oder Übel die Verschuldung den Nachkommen. Die Controller in den Unternehmen haben Ihre Sternstunden der Kostensenkung. Und Massenentlassungen, Investitionsstops sind deren klassische Antworten. Was wir unbedingt brauchen sind neue Ideen, um neue, haltbare Fundamente zu schaffen. Hier ein elementares 6-Punkte-Programm für den unternehmerisch Denkenden, der sich auf die Neuzeit einstellen will.

1. Schaffen wir Kundennutzen

"Yes we can" ist der Appell, den Fokus nach vorn zu richten (und nicht in den Rückspiegel), um Grosses und dem Menschen Nützliches zu schaffen. Die Überzeugung der rustikal angelsächsische Kapitalisten, dass es nur dem Aktionär nützlich sein soll, war und ist nicht zukunftsweisend. Ein Kunde zahlt ja nicht Geld, damit ein Aktionär sein Vermögen mehrt, sondern er zahlt für den Erhalt einer Leistung, die ihm Nutzen stiftet. Führen wir also das Controllen der Finanzartisten und Shareholder Value Protagonisten in den Firmen in eine neue Richtung und stellen wir das Kunden-Nützliche in den Mittelpunkt.

2. Stellen wir den Kunden im Mittelpunkt

Es geht nicht um Kampf der Produkte, sondern um einen Kampf dynamische Wirklichkeiten schnell zu erfassen. Alles ist eine Frage der Beziehung zu Kunden. Deshalb ist es unmöglich, Kunden nicht im Zentrum zu haben. Er summiert alle Lebenszeichen zu einem Bild, einer Vorstellung, eben einer Marke, die sich aus Preis-, Leistung und Emotion zusammensetzt und für das er mit Geld bezahlt.

3. Besinnen wir uns auf unsere Wurzeln

Wohlsein ist ein Prozess. Wohlstand ist die Säule an der man baut. Die wundersame Vermehrung des Kapitals über Kredite und Verbriefungen, über transkontinentale Vernetzung mit Spekulanten und substanzarmen Kreditversicherern verhindert nicht die Notwendigkeit Schulden auch zu bezahlen. Man darf nicht immer vom Morgen leben, aber man muss das Morgen schaffen. Jedes Unternehmen hat fast immer gesunde Wurzeln aus denen heraus gesunde Triebe entspringen. Angepasst an die sich verändernden Umstände. Diskutieren wir deshalb unsere Wurzeln aus denen die Zukunft entstehen kann ernsthaft. Nur aus ihnen kann ein Unternehmen auch gesund und nachhaltig wachsen.

4. Seien wir offen für Komplexität

Jeder Mensch hat einen Hypothalamus. Aus der Steinzeit sind drei Reaktionen auf Neues, Anderes, und Fremdes gespeichert. Erstarrung, Angriff, Flucht. Die Traditionalisten des ideologischen Spiessertums, die nicht lernenden Hasardeure und die aktionistischen Egozentriker feiern Urstände und schaffen dadurch:..: Stillstand. Doch Totstellen, Beissen, Wegrennen ist nicht lösend, sondern verfestigt nur alte Muster. Die Aufgabe heisst vielmehr: Schaffen wir den Draht zur Zuversicht, kreieren wir produktive Spannung, seien wir offen für Innovationen, wagen wir Neues und seien wir selbstsicher. Halten wir es mit dem ersten Menschen, der von den Bäumen stieg, so dass wir nicht mehr nur noch Bananen essen? Denn dann ist das Überschreiten der Schwelle in eine neue Dimension unseres Unternehmens möglich. So können wir sogar mit unüberschaubarer Komplexität umgehen, indem wir neue Muster und Lösungen schaffen.

5. Lassen wir Asymmetrien und kreative Zerstörung im Unternehmen zu

Yoichiro Nambo wurde für die Muster der Quantenphysik mit dem Nobelpreis 2008 geehrt. Das Nobelkomittee beschrieb seine Erkenntnisse folgendermassen: 'Balance your pencil on its tip - you create a state of symmetry. When the pencil suddenly falls and just lays there, the symmetry is broken, but its energetic state is more stable'. Der Grundgedanke daraus ist, dass die größtmögliche Stabilität meist mit einer asymmetrischen Haltung erreicht wird. Man sollte die neue Unternehmenskultur des Asymmetrischen fördern. Es ist an der Zeit, mehr Schumpeter bzw. seine kreative Zerstörung und dafür weniger lineares Hierarchiedenken zulassen und zu fordern. Dann gelingt es elementarische Menschlichkeitspotentiale wie Intelligenz, Kreativität, Wissen zu nutzen statt Resignation, Demotivation und Agonie zu fördern.

6. Schaffen wir Vertrauen durch Maßhalten

Unternehmerischer Erfolg ist eine Funktion von Nutzen und Vertrauen. Zum Vertrauen schaffen gehört eine gehörige Portion Demut, Fähigkeit sich offensiv den anderen Menschen zuzuwenden und Opfer für sie zu bringen. Es gehören aber auch Aufmerksamkeit und Bewusstsein, Disziplin und Bemühen dazu. Die Tugend der Verlässlichkeit, eine Kultur des "de-leveraging", der Verantwortung, das Konservative als Haltung des Maßhaltens ist das beste 'Risk Management'. Die Unternehmensführung und die Aufsichtsorgane entscheiden bewusst was Bedeutung hat und was nicht. Sie entscheiden, ob der Kunde Vertrauen haben kann. Und sie leben es vor. Hier schließt sich der Kreis zu Punkt 1: Was will ich in Zukunft sein versus was will ich in Zukunft haben? Shareholder Value stellt auf letzteres ab - Unternehmertum auf ersteres! Nicht nur Merckle ist m.E. daran zerbrochen, dass er den Spannungsbogen nicht hinbekommen hat und ersteres verraten hat!



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